Noch mehr Vita

Wuppertal

Ich wurde in Wuppertal geboren. Schon mal davon gehört? Die Stadt mit dem Stahl-Tausendfüßler. Perle der Industrialisierung. Heimat von Kunst, Kultur und Schulden die das Tal fast überlaufen lassen. Die Stadt in der die Kinder mit Schirm auf die Welt kommen. Genauer gesagt mit Knirps, aus Platzgründen. Und wenn man in Wuppertal das Fahren gelernt hat dann kann man überall auf der Welt am Berg anfahren. Alpen, Mt. Everest, kein Problem.

Ok, Spaß beiseite. Die Stadt hat ein paar Macken aber welche Stadt hat die nicht? Im Grunde ist sie wirklich cool und sie mausert sich gerade. Und das mit der Kunst und der Kultur ist nicht gelogen. Besuch mal die Luisenstraße im Zentrum. Oder das Domhan auf dem Ölberg, ein Irish Pub mit Live Musik. Oh Mann, das vermisse ich!

Old School

Dort bin ich zur Schule gegangen, also in Wuppertal, nicht im Pub. Und ich war so richtig schlecht in der Schule. Es wurde erst besser als ich anfing meinen Werdegang selbst bestimmen zu können, ab da lief es. Hat bis zur zehnten Klasse gedauert. Rückwirkend betrachtet gab es da einige Lehrer die erheblich schlecht waren. Ich glaube am meisten fürs Leben habe ich von meinem damaligen Religionslehrer gelernt. Der war zwar etwas schräg aber der wusste wie man die Leute zum Denken anregte.

Oh man, war ich schlecht in der Schule^^. Das fing schon in der Grundschule an. Ich kann mich nicht daran erinnern mal Hausaufgaben gemacht zu haben. Ich glaube ich konnte mit dem Konzept Hausaufgabe nicht umgehen. Ständig habe ich mich da durchgemogelt. Wie war das überhaupt möglich? Wahrscheinlich waren es meine Eltern irgendwann satt mich meiner Lügen über die Aufgaben zu entlarven. Und warum zum Geier haben die vom Gymnasium mich überhaupt erst angenommen? Die müssen noch bekloppter als ich gewesen sein. Gut das ist bald zwanzig Jahre her, quasi letztes Jahrtausend und zu der Zeit dankte gerade eine Generation Lehrer ab. Ich schätze ich bin durchgerutscht. Ob das jetzt gut war oder nicht, keine Ahnung.

Ich habe es konsequent bis zur neunten Klasse verkackt. Mit Ehrenrunde in der Siebten Klasse. Das war wiederum ein Glückgriff denn in Versuch zwei habe ich meine besten Freunde kennen gelernt. Viele sehe ich heute noch. :)

Naja, aber es half alles nix. Mir wurde dann nahe gelegt mal gegenüber auf der Realschule mein Glück zu versuchen um dann mit vernünftigen Abschluss vielleicht an einem Berufskolleg, mich in einen Bereich zu begeben der mir mehr liegt. Ich nehme die Pointe mal vorweg, es sollte "Maschinenbau" werden. Und es hebt den Notendurchschnitt ungemein an wenn die Realschule thematisch ein Jahr hinterherhinkt.

Und als mir dann niemand mehr auf die Eier ging (sry) fing ich an Spaß am Unterricht, den Klausuren, dem Lernen und dem ganzen Schrott zu entwickeln. "Der macht eh kein Abi also kann ich mir den Ärger auch sparen." half mir ungemein meine Arbeitsmotivation zu finden. Vorher wurde ich eher "Fremdmotiviert".

Ich durfte mir aussuchen welchen Beruf ich ausführen und in welchen Bereich ich gehen wollte. Ich war damals geschickt mit den Händen und so wurde es etwas Technisches. Muss was Genetisches sein. Mein Vater war Handwerker und meine Mutter kam vom Land. Bäm! Handwerk! Also Fach Abi und Staatlich geprüfter blah blah Konstruktionstechnik blah (keinen Blumentopf kann man sich davon kaufen, anders als die einem das immer verkaufen).
Problem dass ich damals leider seeehr militant war. Oh, Sünden vergangener Tage *kummervollleidklag*. [Regieanweisung: Handrücken an Stirn, Kopf in den Nacken]:P

Die dunkle Seite
(Man ist ja heutzutage nicht mehr sicher vor Star Wars Referenzen)

Du hast dir bestimmt auch schon mal vorgestellt auf dein jüngeres Ich zu treffen und bist bestimmt auch zu dem Schluss gekommen "Ich würde dem so in den Arsch tretet für seine Dummheit". Ja, ja. Es reichte mir nicht Richtung Handwerk zu streben, nein! In meiner jugendlichen vom Fernsehen und den Computerspielen verblendeten Art (mit vieel zu vielen komischen Hormonen beladen) wollte ich unbedingt den Helden spielen und entschied mich nach der Schule zur Instandsetzung der Bundeswehr zu gehen und mein Land zu verteidigen (diesen Satz bitte nochmal mit erhobenen Zeigefinger und anklagender Emphase lesen).
Man... war... ich... ein... Arsch. Man kann sich in dem Alter ne Menge dummer Sachen einreden.

An dieser stelle muss ich mal erwähnen, dass ich wirklich ein totales sensibelchen bin. Ich bin nah, NAH am Wasser geboren. Ich find das gar nicht schlimm. Ich mag es kein Emotionsklotz zu sein. Aber das ist nicht unbedingt Potential fürs Soltatentum.

Naja Lange Rede... ich bin KEIN Soldat geworden. Und Leute abknallen find ich doof.

Zeit für eine Überschrift...

Die Frau
(Der Titel ist ein bissel bei der Serie Sherlock geklaut)

Als ich in der Oberstufe war und bevor ich meinen Wehrdienst antrat lernte ich M kennen.
Sie war meine erste feste Freundin (Ja, ich war ein Spätzünder. Ich bin immer noch ein Spätzünder. Wäre ich ein Computer hätte ich jetzt das Millieniumproblem). Durch sie hatte ich Liebe kennen gelernt (Kitsch! Ist aber so.). Ich meine nicht die Art zwischen Eltern und ihren Kindern sondern die Art zwischen sich zuvor fremden. Sehr tolles Gefühl. Kann ich nur empfehlen. Leider ist es nie wieder wie bei der ersten Liebe... Ich schweife ab.
Das hat meine Welt auf den Kopf gestellt (Meine Fresse... der Kitsch! Aber es war so.).
Danach war ich dann nicht mehr militant. Wie bei dem Lied von den Ärzten, "Schrei nach Liebe" :). Ich war wohl damals sehr wütend auf mich und irgendwann schwappt das über auf andere. Aber ich war nie ein Fascho! Nicht auf falsche Gedanken kommen! Als ich beim Wehrdienst war und mir zum ersten mal der Gedanke kam, dass die Person auf der anderen Seite der Flinte auch so etwas für jemanden fühlen konnte war das alles für mich abgehakt.
Dumm nur, wenn man sein Selbstwertgefühl und seinen inneren Kompass an irgendwelche Dumm-Heroischen Ideologien hängt. Ich fiel also erst einmal in ein Loch. Damals wurde ich mit der Diagnose Depression nach Hause geschickt. Besser so. Aber was sollte ich jetzt mit meinem Leben anfangen? Wenigstens hatte ich eine tolle und verdammt clevere Freundin.
Sie sagte "Studier doch. Du bist clever genug.". Da habe ich damals nicht dran geglaubt also wurde es eine Ausbildung zum Industriemechaniker (Hey, klasse. Wir kommen in der Vita weiter. Ich dachte schon wir finden nicht zurück).

Arbeit, Arbeit!

So eine Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und das erste halbe Jahr ist man nur damit beschäftigt zentimeterweise Stahl zu feilen, Blasen an den Händen zu bekommen und zu Fegen. Und trotzdem würde ich die Zeit in vielerlei Hinsicht nicht missen wollen.
Man bekommt es mit einem besonderen Schlag vom Menschen zu tun. Solide, ehrliche Menschen.
Einem Schlag dem es wichtig ist pünktlich zu sein, ordentlich und respektvoll. Und wenn man das ist bekommt man viel zurück. Den Inbegriff von Kumpel und Kollege.
Ich habe damals jeden Tag die Werkbänke der Gesellen gereinigt und jedem morgens die Hand geschüttelt und "Guten Morgen!" gesagt, wie bei einem Ritual. Und das war toll. Vielleicht ist das schwer nachzuvollziehen aber ich sah einen Wert darin. Man sagt "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" aber ich sah darin nie etwas Schlechtes. Es war eine Zeit Demut zu lernen, eine Zeit der Ordnung und des Respektes. Und wenn man zwischendurch auf einen Kaffee am Automaten (20 cent) eingeladen wurde wusste man das die Leute mit einem zufrieden sind. Das war schön.:)
Ich habe so viel gelernt, sei es ein Gefühl führ den Stahl zu bekommen oder die Schulung räumlichen Denkvermögens, viel über Menschen, den Wert der Leute und den Wert der Arbeit. Ach ich werde ganz sentimental. XD
Der einzige haken ist sooo interlecktül ist der Job nicht. Zumindest nicht auf Dauer.

So long and thanks for all the fish

Ach ja, fast vergessen. Erinnerst du dich noch an den Part mit erster Liebe und so? Sie hatte dann keinen Bock mehr auf mich. Zu großes intellektuelles Gefälle, wenn du verstehst was ich meine. Ihre Worte, nicht meine. Wenn jemand von "Herz brechen" redet weiß ich SEHR GENAU was das bedeutet. Ich habe nie wieder und nie zuvor so sehr Geweint, regelrecht geheult. Zwei Jahre habe ich daran zu knacken gehabt. Und noch mehr Depressionen. Ein echtes Trauma. Als ob das mit dem Ich-Weiß-Nicht-Was-Ich-Mit-Meinem-Leben-Anfangen-Soll-Ding nicht schon genug war.
Das war so schlimm für mich, dass ich anfing, nur um mich ihr nahe zu fühlen, wie sie Vegetarier zu sein. Zumindest am Anfang. Dann entwickelte sich das als interessante Erfahrung. Ich zog das ein Jahr durch und schloss das Experiment mit einem Steak ab.
Es ist interessant wie viele Menschen sich persönlich angegriffen fühlen wenn man sagt, dass man kein Fleisch ist. Das war auch der Grund (das und die Interlektülität das Industriemechaniker-Daseins) warum ich mich entschloss dann doch zu studieren (Yey! endlich wieder Vita!). Du denkst dir vielleicht "Wird ja auch Zeit. Ich habe doch im anderen Post etwas von Studium gelesen!", jaaaa da bin ich noch nicht ganz. Zumindest nicht so als ob es besonders viel mit dem Job des Programmierers zu tun hat.

Bochum

(Mehr Überschriften!)

Ich zog aus, nach Bochum um dort Mechatronik zu studieren und teilte mir eine Wohnung mit meinem besten Freund. Öhm, ich nenn ihn mal Bob. Bob hatte zuvor schon ein Jahr (oder zwei?) Jahre and der Uni in Dortmund studiert und pendelte damals von Wuppertal nach Dortmund. Wir gammelten irgenwann bei ihm zuhause herum und ich sagte "Was hälts du davon, wenn wir ne WG in Bochum aufmachen?". Tja, und dann gab es eine WG.

(Fortsetzung folgt)